Hundekrankheiten

Panostitis beim Hund

 

Panostitis ist eine Krankheit der langen Röhrenknochen. Pan steht für "generalisierte", Os steht für Knochen und die Endung -itis steht für eine Entzündung. Diese Knochenentzündung tritt während der Wachstumsphase der Hunde auf.

Panostitis ist eine orthopädische Krankheit der jungen Hunde

In der Regel trifft es junge, große bis sehr große Hunde im Wachstumsalter; und meistens trifft es junge Rüden. Der Deutsche Schäferhund ist eine der am häufigsten betroffenen Rassen. Weitere Hunderassen, wie die Deutsche Dogge, der Dobermann, der Golden Retriever, der Labrador Retriever oder der Mischling, haben ebenfalls oft Panostitis. Hunde, die an Panostitis leiden, sind meistens im Alter zwischen 5 von18 Monaten. Vereinzelte Fälle wurden bis ins Alter von 5 Jahren beschrieben. Bei Hündinnen tritt die Krankheit deutlich seltener auf, und erste Symptome fallen häufig mit dem Auftreten der 1. Läufigkeit zusammen.
So trifft es Hunde voller Aktivität und voller Flausen, die dann plötzlich zu hinken beginnen, ohne dass ein Grund für eine Verletzung beobachtet werden konnte. Manchmal wollen aber auch bewegungsfreudige Hunde einfach nicht mehr gerne spazieren gehen. In extremen Fällen liegen die Hunde zu Hause auf dem Rücken und strecken alle vier Beine von sich, weil sie an allen Vieren starke Schmerzen haben und nicht mehr wissen, auf welches Bein sie stehen sollen.
Mitunter ist die Krankheit begleitet von Fieber, Apathie und Appetitlosigkeit.
Panostitis kann sich auf ein Bein beschränken, oder aber es kann mehrere Läufe treffen. Manchmal kommt es bei einem Bein vor und springt später auf ein anderes Bein. Das Ausmaß der Krankheit ist ganz verschieden und die Hunde hinken unterschiedlich stark. In der Regel tritt es plötzlich auf und wird über mehrere Tage immer schlimmer. Die akute Phase dauert in der Regel um die drei Wochen. Die Entzündung nimmt dann ab, kann aber wieder erneut aufflammen, am selben Bein oder an einem anderen. So kann der gesamte Krankheitsverlauf eine Woche bis zu mehreren Monaten andauern. Die Krankheit verschwindet meist wieder so, wie sie gekommen ist. Die Hunde haben keine bleibenden Schäden infolge dieser durchgemachten Knochenentzündung. Folglich ist die Prognose der Krankheit gut.

Die Ursache für Panostitis ist unklar

Die Ursache, die zu dieser Entzündung des Röhrenknochens führt, ist nach wie vor nicht geklärt. Ursprünglich dachte man an eine bakterielle Knocheninfektion. Es konnten jedoch bislang keine Bakterien nachgewiesen werden, und auch bei der mikroskopischen Untersuchung von betroffenen Knochenproben fand man keine Hinweise auf bakterielle Erreger. Dass Viren Panostitis auslösen können, wird jedoch immer noch nicht ganz ausgeschlossen, da die betroffenen Hunde häufig Fieber, einen Anstieg der weißen Blutkörperchen und gelegentlich eine Mandelentzündung haben. Bis anhin waren aber alle Versuche, einen Erreger zu isolieren, fehlgeschlagen.
Da vor allem Deutsche Schäferhunde erkranken, wurde untersucht, ob diese Rasse eventuell anfälliger auf Panostitis ist. Aber auch diese Hypothese konnte nicht belegt werden.
Faktoren wie das schnelle Wachstum bei den betroffenen Rassen und eine falsche Ernährung, wie zu viel Energie und zu viel Calcium im Futter, wird zurzeit immer mehr als Ursache betrachtet. Diese eiweissangereicherten Hochenergiefutter können Ödeme des Fettgewebes im Markraum des Knochens und eine venöse Abflussstörung im Knochen verursachen. Das kann zu einer Erhöhung des intraossären Drucks und zu einer Kompression der Blutgefäße im Markraum führen. Dies kann lokale entzündliche Prozesse auslösen, und einen Teufelskreis starten. Obwohl bei erkrankten Hunden ein erhöhter Innendruck in den Knochen gemessen wurde, ist man sich immer noch nicht im Klaren, ob dieser Druckanstieg im Knocheninnern den Schmerz verursacht und inwieweit er klinisch von Bedeutung ist. Sicher kann aber eine gleichzeitige physische Überbeanspruchung des Hundes die Umbauprozesse erhöhen und das Krankheitsgeschehen weiter verschärfen.

Schmerzen der langen Röhrenknochen sind typisch für Panostitis

Die Diagnose wird anhand der klinischen Untersuchung und einer sorgfältigen orthopädischen Untersuchung gestellt und mittels Röntgen bestätigt.
Schmerzen können beim Hund durch das Abtasten der betroffenen Beine und einen gezielten Druck auf die langen Röhrenknochen ausgelöst werden. Der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia), der Oberarmknochen (Humerus) und die Elle (Ulna) sind die am häufigsten betroffenen Knochen.
Nebst der Panostitis muss man gleichwohl immer noch an andere Skeletterkrankungen mit ähnlichen klinischen Symptomen denken, die bei jungen Hunden auftreten können wie z. B. Hüftgelenksdysplasie (HD), Osteochondrose (OCD) der Schulter und des Ellbogens, Ellbogendysplasie (ED) oder ernährungsbedingte Erkrankungen. Diese Krankheiten dürfen vor lauter Panostitis nicht übersehen werden, um allfällige Behandlungen nicht zu verpassen. Zum Teil können diese Knochenkrankheiten sogar parallel auftreten, was die Behandlung und die Prognose für die Heilung kompliziert macht.
Mit dem Röntgen kann die Diagnose der Panostitis bestätigt werden und gleichzeitig können oben genannte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Erste radiologische Veränderungen treten häufig erst zwei bis drei Wochen nach dem Beginn der Krankheit auf. Ist das Röntgenbild zu Beginn nicht aussagekräftig, wird eine spätere Wiederholung der Röntgen empfohlen. Die Veränderungen auf dem Röntgenbild und die klinischen Symptome stimmen häufig nicht überein. Starke Schmerzen müssen nicht mit starken radiologischen Veränderungen einhergehen. Typische Veränderungen von Panostitis auf dem Röntgenbild sind wolkenartige Verdichtungen im Mark der langen Röhrenknochen. Die ersten radiologischen Veränderungen werden vor allem rund um die Blutgefäße der Knochen festgestellt.

Symptomatische Therapie der Panostitis

Da die Krankheit sich auf eine Entzündung der Röhrenknochen beschränkt und ohne bleibende Schäden nach einer gewissen Zeit vergeht, werden erkrankte Tiere am besten symptomatisch behandelt. In erster Linie sollten die Tiere während einem Panostitisschub geschont werden. Sie sollten für zwei bis drei Wochen an der Leine geführt, die Spaziergänge reduziert und auf das Arbeiten mit dem Hund in dieser Zeit ganz verzichtet werden. Deutsche Schäferhunde werden vielfach zu Arbeitshunden ausgebildet. Hier fällt es den Besitzern erst recht schwer, die kranken Hunde aus der Ausbildung zu nehmen. Doch gibt es keine Alternative und die Besitzer müssen dabei viel Geduld aufbringen.
Gleichzeitig empfehlen wir mit Entzündungshemmern die Entzündung und somit auch die Schmerzen zu bekämpfen. In den letzten Jahren wurden viele neuere Entzündungshemmer speziell für Hunde registriert und zugelassen. Da die Hunde gegenüber Menschen unterschiedlich auf diese Medikamente reagieren, darf man ohne Absprache mit dem Tierarzt keine Präparate aus der eigenen Hausapotheke verwenden. Die Folgen von falsch eingesetzten Schmerzmitteln können bei den Haustieren lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen. Mit diesen Medikamenten wird die akute Phase der Erkrankung durchbrochen und der Schmerz gelindert. Die Gefahr besteht natürlich, dass die Hunde keine Schmerzen mehr haben und deshalb gerne wieder herumtollen würden. Da jeder Hund verschieden auf die Schmerzmittel reagiert, muss der behandelnde Tierarzt eventuell das zuerst gewählte Medikament wechseln oder die Dosis neu anpassen, falls der Hund schlecht auf die Therapie anspricht.
Weiter empfehlen wir die Hunde auf ein Futter mit reduziertem Energie- und Proteinanteil umzustellen und auf jegliche Futterzusätze während dem Wachstum zu verzichten.

 

Mit der richtigen Fütterung kann man vorbeugen

Da die Ursache unbekannt ist, gibt es auch keine Möglichkeit zur Prophylaxe, damit Panostitis nicht entstehen kann. Grundsätzlich empfehlen wir, dass die jungen Hunde in der Entwicklung nicht zu dick sind. Das Futter sollte den Bedürfnissen der wachsenden Hunde entsprechen. Häufig bekommen die Hunde ein Futter mit zu viel Fett (Energie), zu viel Protein und zu viel Calcium. Studien belegen, dass übergewichtige junge Hunde häufiger Wachstumsstörungen am Skelettsystem haben gegenüber Hunden, die während dem Wachstum eher schlank und in Form gehalten werden.

Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 4/2006
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Daniel Damur
Spezialist FVH für Kleintiere und Diplomate ECVS für Kleintierchirurgie
Tierklinik Masans
CH-7000 Chur

 

 

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Wer dem Wilde zugetan, weil er gar nicht anders kann, da er sich mit Herz und Hand liebend der Natur verband, spürt in seiner Seele Grund und seiner Waidmannsehre, dass er ohne guten Hund nur ein halber Jäger wäre.